Archiv-Nr. 76Z110 / Laufzeit: 1h 29min
Aus dem Inhalt
Die Vertiefung in das Phänomen der Sprache führt unmittelbar zur Gestalt von Moses und der Frage nach dem Ursprung des menschlichen Wortes. Moses verkörpert weit mehr als eine historische Autorenfigur; er steht für das geistige Sprachzentrum im Menschen, das über das bloße Verstandesdenken hinausreicht und aus der Inspiration der Ewigkeit schöpft. Im Spannungsfeld des Ägypten-Komplexes – dem Ort der Einengung, des Widerspruchs und der Angst vor der Endlichkeit – wird das Wort gleichsam aus dem Zeitstrom der Zerstörung gerettet und im Verborgenen bewahrt.
Der Mensch leidet an der Unfähigkeit, sein tiefstes inneres Wesen rein verstandesmäßig oder kausal auszudrücken. Das symbolische Brandmal an den Lippen verdeutlicht, dass das letzte Geheimnis der Existenz dem gewöhnlichen Sprechen entzogen bleibt. Erst im Zusammenspiel mit Aaron – der sichtbaren, lautlichen Entfaltung – kann das Wort in der Erscheinungswelt wirken. Die mythologische Überlieferung offenbart, dass echte Inspiration nur dort entsteht, wo der Mensch sich dem zeitlosen Sinn öffnet und trotz der Begrenzungen der physischen Welt Vertrauen in seine jenseitige Herkunft fasst.
„Moses ist das geistige Sprachzentrum im Menschen, aus dem alle Inspiration hervorgeht, während Aaron das Wort ist, das wir in der Welt aussprechen.“
CD 01
Die Auseinandersetzung mit der Gestalt des Moses führt zu den Wurzeln der menschlichen Sprache. Mythologische Erzählungen verlangen eine Betrachtung außerhalb von Kausalität, physischem Raum und linearer Zeit. Drei Frauen – die Mutter Jocheved (Ehre des Herrn), die Schwester Mirjam (Bitterkeit des Meeres) und die Pharaotochter Batja (Tochter des Herrn) – prägen die Herkunft des Moses. Sie symbolisieren das Spannungsfeld zwischen der Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit und der Rettung der Seele aus der Enge des zeitlichen Ägyptens.
CD 02
Das Überleben des kleinen Moses im Kästchen (Teva = Wort) veranschaulicht, wie der geistige Gehalt im Phänomen des Wortes vor dem Untergang bewahrt wird. Die Brandwunde an seinen Lippen durch die glühende Kohle steht für die bewusste Lispelhaftigkeit und Begrenztheit der menschlichen Ausdrucksfähigkeit. Moses bildet das verborgene, inspirierende Sprachzentrum des Menschen, während sein Bruder Aaron als sichtbarer Sprecher auftritt. Beide zusammen offenbaren die doppelgeteilte Struktur des Wortes als Verstandesäußerung und zeitlose Inspiration.