Der König Hiskia – An der Schwelle der Erlösung

Archiv-Nr. 80W12 / Laufzeit: 6h 06min

Tief in den – jüdischen – Menschheitsarchiven leben die Geschichten von König Hiskia. (2. Könige, Kap. 18-20) Sie beinhalten unbekannte (Er-)Lebensmöglichkeiten, die ad acta gelegt worden sind. Aus der Sicht unserer oft inszenierten Selbstzufriedenheit sehen sie nur alt und verstaubt aus.
Überraschend ist es, hier zu hören, wie sich diese Erzählungen in der Nähe unseres Entscheidungskerns bewegen. Wir können uns kaum vorstellen, dass – wenn einmal ein Zugang zu solchen Welten gefunden ist – dies einen Ausgang zu einem Leben in Wahrheit und Freude ermöglicht. Gottesbezug wohnt im Herzen, im existenziellen Zentrum und will in der Welt gelebt sein. Während Hiskias Regierungszeit geschehen verschiedene große Wunder: Die Belagerung Jerusalems durch Sanchereb wird aufgehoben, und Hiskia von einer tödlichen Krankheit geheilt.
Weinreb geht es hier nicht um machtvolle Deutungen. Er führt so in diese Welt hinein, dass er den Hörenden dazu bringt, das eigentlich Gemeinte nicht aus den einzelnen Sätzen, sondern aus dem ursprünglichen Mittelpunkt, der Begegnung des eigenen Ichs mit der Erzählung, zu verstehen. Der Angriff Sancherebs wird dann der Angriff auf unser Selbst, die Krankheit Hiskias ist die unsere. Die zentrale Frage ist hier, ob Hiskia der Messias hätte sein können. Sie wird zu einer Frage, an der wir wachsen können. Jedoch erst dann, wenn die Erlösung uns bis ins Alltägliche betrifft. Wenn man vernimmt, dass „Sanchereb“, „hassendes, zerschneidendes Schwert“ bedeutet, wird klar, dass es hier um eine Kraft geht, die das Zentrum unserer Gottesbeziehung zu vernichten droht.
Durch diesen Drang zur tiefsten Bezugszerstörung können wesentliche – religiöse – Liebes- und Lebensmöglichkeiten nicht zur rechten Erfüllung gelangen. Wie ist diese innere Gefahr abzuwenden? Die ungewöhnlich Antworten sind lebendige Geschichten.
Es wird von drei guten und drei schlechten Taten Hiskias berichtet. Wichtiger ist, dass der König Hiskia nicht der Messias wird, weil er nicht singen kann. Das ist also entscheidend, nicht Gescheitheit, Wissen, Tüchtigkeit, Besitz, Fähigkeit. Was bedeutet aber dieses Singen heute? Warum ist der Messias heute nicht da? Dazu gibt es hier wiederum Geschichten, Fragen und Antworten, von denen uns Weinreb phantasieren und träumen lässt, und zwar so, dass es gut sein könnte, mit uns selbst und mit den anderen. Das ist nicht beliebig. Solches Träumen verpflichtet. Es wird darin eine Intimität mit dem Messianischen spürbar.
Die neuen Mythen, die Weinreb hier vergegenwärtigt, wirken wohltuend, verwandelnd, manchmal heilend auf unsere uns fragmentierenden Komplexe. Sie rufen die Psyche zu neuer Bewegung auf. Wenn diesem Ruf gefolgt wird, gewinnt der heutige Mensch neue Perspektiven und Voraussetzungen für die alltägliche Praxis, und das ist im Sinne der Erweiterung, Vertiefung und Intensivierung der Freude im gegenwärtigen Leben ungeheuer viel.

Inhalt:

  1. Nord und Südreich. Die Belagerung Jerusalems. Hiskias Krankheit.
  2. Hiskia kann nicht singen. Die sechs Taten Hiskias. Wie stehen wir dem Erlöser gegenüber?
  3. Der Fluss Kichon. Der 8. Tag. Die unerlöste Frau.
  4. Geniessen in Freude. David als Geliebter Gottes. Sancherebs Bart.
  5. Hiskias Passah. Das Lamm, das uns trägt. Hiskias Heilung. Das Spalten der Zeit.
  6. Der Bösewicht und die Ungeduld. Die Räder und die Zeit. Das Versanden des Intellektuellen.
  7. Der Schaltmonat. Rein und Unrein. Weltangst. Isolation oder Verbundenheit. Die Korrektur Gottes.
  8. Das Träumen. Phantasieren des Guten. Die Bedeutung des Raubes. Der Messias im Hier und Jetzt.
  1. 01 80W12 Friedrich Weinreb 45:50
  2. 02 80W12 Friedrich Weinreb 46:12
  3. 03 80W12 Friedrich Weinreb 45:32
  4. 04 80W12 Friedrich Weinreb 45:34
  5. 05 80W12 Friedrich Weinreb 46:26
  6. 06 80W12 Friedrich Weinreb 44:05
  7. 07 80W12 Friedrich Weinreb 44:45
  8. 08 80W12 Friedrich Weinreb 47:41