Das Opfer in der Bibel

Archiv-Nr. 82R84 / Laufzeit: 24h 16min

Wir tun uns im Zeitalter fortschreitender Vernetzung und Telekommunikation generell besonders schwer mit der etwas intimeren zwischenmenschlichen Nähe; mit der Nähe zum ganz Anderen, mit der Nähe zu uns selbst. Da das hebräische Wort für Opfer „Korban“ wörtlich „annähern“, „näherbringen“ bedeutet, ist es naheliegend, zu vermuten, dass in den religiösen „Opfer“-Texten und deren jüdischen Kommentaren vergessene Seinsformen der Nähe und Distanz verborgen sind. Diese Urformen können für einen Umgang mit unserer „Angst vor der Nähe“ hilfreich sein.
Weinreb geht bei diesen Vorträgen von der Frage nach dem Ursprung der Grundstim­mung des Menschen aus. Aus dieser Stimmung lässt sich jeweils ableiten, wo sich der Mensch, unterwegs zum Sinn – einem Weg zur Liebe, wie Weinreb den Weg des Opfers nennt – befindet.
Diese Frage und Standortbestimmung führt zu den Bedingungen für das Hineingehen in den Tempel: dafür dürfen im Menschen weder Götzendienst, noch Unzucht noch Blutvergiessen vorhanden sein. Diese Begriffe befremden vielleicht, aber nur solange, bis zunehmend erfahrbar wird, dass hier die Wurzeln unserer Suchtneigungen und Wert- und Schamgefühle berührt werden.
Bei der Besprechung der verschiedenen Opfertiere wird ersichtlich, welche inneren Haltungen Grundlage des Näherkommens und der Distanz sein können. In der Erzählung von den wichtigsten Opfertieren, wie dem Lamm und dem Stier, entsteht zwischen Selbst-Hingabe und Selbst-Behauptung das neue Gefühl eines Haltes, eines Inne-Haltens im Gehen dieses Weges.
Die Ausdifferenzierung der sechs verschiedenen Arten des Opfers zeigt die Möglichkeiten des sich Entfernens von jedem erstarrten Standpunkt. Bei diesen Ausführungen öffnet Weinreb schwierige, meist missverstandene Begriffe wie „Schuld“, „Sünde“ und „Glück“ von ihrem hebräischen Wortkern und ihrer Mitte her.
Der Weg durch den Tempel mit seinen Vorhöfen macht vieles über das Prinzip der Veränderung deutlicher. Die Grenze des nur intellektuellen Verstehens wird überschritten -im Bild des Durchbrechens des Kreises.

Im Zentrum der Wandlung ist gerade der Körper als Ausdruck des Himmlischen ganz wichtig: die Wende im Leben drückt sich aus in einer neuen Ordnung der Körperteile in zehn Gruppen auf dem Altar. Weinreb geht ausführlich darauf ein. Diese überraschenden Bezüge zum Leib im Heiligsten lassen erahnen, wie eine lebendige Struktur des Men­schen sich im Ewigen bildet. Hier könnte das Bewusstsein wachsen für das, was eine Begegnung, eine Begegnung mit dem Heiligen beinhaltet und bewirkt: sie kann alles ändern. Wichtiges wird zudem mitgeteilt über die Zusammenhänge zwischen dem Opfer und den drei sogenannten „Aufsteigefesten“; es geht dabei um Versöhnung, Ausnahme und Oeffnung. Gefragt ist ein Sich-Ein-Lassen auf die Begegnung mit Gott, was durch­aus auch ein Ringen sein kann, wobei nichts ausgeklammert wird.
Als ganz wesentlich zum Opfer gehörend, ist die Tiefe der Erde, die sich im einfachen unartikulierten Da-Sein des Pflanzenreiches zeigt. Das hängt mit echter Bescheidenheit als weitere Voraussetzung für die Nähe zusammen. Das „sodomitische Salz“ ist hier Symbol für Einbezug und Sinn des Todes zu einer wirklichen Erneuerung. Ohne Mit-Leiden, Mit-Fühlen und dadurch Mitgehen-Lassen dieser geringen – wehrlosen – Wirklich­keiten in uns, und ohne das „Salz der Erde“ gibt es wohl kaum eine gelöstere Bewegung. Das Leben droht dann in einer pervertierten Erdennähe so geschmacklos zu werden wie die heutigen Hors-Sol-Produkte.
Wenn Weinreb von den sogenannten nicht-zeit-gebundenen Opfern spricht, werden Dimensionen wahr, von denen die chassidischen Geschichten erzählen. Genauso wahr wie die Möglichkeit einer transzendent-realistischen Oeffnung, die sich im Lauf dieser Vorträge ausdehnt. Eine Oeffnung, durch welche die Nähe des Heiligen in eine grosse Freude einfliessen und auch die Distanz als ein Geschenk erlebt werden kann. So wird ein Mit-Gehen, ein Ein-Gehen in die Liebe möglich. Daraus entstehen neue Ein-Gänge, die zu ganz anderen Formen des Verhaltens führen können. Und das ist nicht wenig am Aus-Gang unseres so technisch-materialistisch geprägten Jahrhunderts.

Aus dem Inhalt:

  1. Einführung, Hintergründe der Grundstimmung
  2. Sich seinem Ursprung nähern.
  3. Die drei Bedingungen für das Betreten des Tempels.
  4. Die Bedeutung der Opfertiere
  5. Vom Lamm als Opfertier
  6. Die Bedeutung von Lamm, Stier und Ziegenbock als Opfertiere
  7. Die sechs Phasen des Korban. Die Phasen des Olah.
  8. Der Weg durch die Vorhöfe
  9. Der Vorhof der Frauen
  10. Die 15 Stufen. Der Vorhof der Priester
  11. Das Durchschneiden des Kreislaufes. Der Weg des Blutes
  12. Altar und Änderung
  13. Das Feuer auf dem Altar
  14. Die Ordnung der Körperteile auf dem Altar: Haupt, Fuss, Hoden, Hand, Nieren, Leber, Milz, Fuss, Brust, Hals, Herz und Lunge
  15. Die Ordnung der Körperteile: Magen, Leber, Milz und Darm.
  16. Die Einteilung der Opfer in die Zeit
  17. Von Neumond und Erneuerung
  18. Widder, Ziegenbock und Erneuerung
  19. Die Proportionen der Pflanzen beim Opfer
  20. Das Geheimnis des Kleinen und des Grossen in der Pflanzenwelt
  21. Weizen, Öl und Wein und die Bedeutung der Erde
  22. Wein und Wandlung
  23. Sünde und Sündopfer
  24. Jom Kippur und Versöhnung
  25. Jom Kippur. Das Opfer der beiden Ziegenböcke
  26. Die vier Arten des Korban beim Laubhüttenfest
  27. Das Laubhüttenfest, Passah und Pfingsten
  28. Das Salz von Sodom. Die Geschichte von Lot.
  29. Das Geschenkopfer
  30. Geschenk-, Dank- und Sündopfer
  31. Das Ganzopfer
  32. Fortsetzung und Schluss
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