Archiv-Nr. 84Wb106 / Laufzeit: 1h 30min – Vollständiger Titel:
Das jüdische Passahmahl und was dabei von der Erlösung erzählt wird.
Der Vortrag beleuchtet die tiefere mystische und symbolische Bedeutung des jüdischen Passahmahls (Pessach) und zeigt die gemeinsame innere Wurzel von Judentum und Christentum auf.
- Gemeinsame Wurzel und Gottesbild: Gott ist einer. Trotz unterschiedlicher Traditionen entstammen Judentum und Christentum derselben Herkunft. Das Passahmahl bildet das Fundament, aus dem auch das christliche Abendmahl hervorgegangen ist.
- Der Tisch als Schicksal und die Psyche: Im Hebräischen ist die Mahlzeit (Mischte oder Suda) eng mit Schenken, Schicksal und Geheimnis (Sod) verknüpft. Am Tisch teilt Gott das Schicksal zu. Das Verborgene (Nichtbewusste/Männliche) befruchtet fortwährend das Erscheinende (Bewusste/Weibliche).
- Pessach als Überspringen des Gesetzes: Pessach bedeutet „überspringen“. Es symbolisiert, dass Gott Ausnahmen vom starren Gesetz macht – insbesondere durch Befreiung, Erlösung und Auferstehung. Ägypten (Mizrajim) steht sinnbildlich für Verfestigung, Erstarrung und ein einengendes „Entweder-Oder“, dem die göttliche Liebe ein beglückendes „Sowohl-Als-Auch“ entgegensetzt.
- Symbolik der Speisen auf der Schüssel: Das Kleinste spiegelt das Große wider.
- Das Lamm: Symbolisiert Sanftmut, Hingabe und das Ungeteilte. Sein Blut an den Türpfosten steht für das Verbundensein mit Gott und die Ablehnung der Götter Ägyptens.
- Das Ei: Steht für den Fluss der Zeit, des Wassers und der Generationen.
- Das Bitterkraut (Marror): Symbolisiert das Leid und die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Welt, die von der Liebe getragen werden.
- Das ungesäuerte Brot (Matza) und das Spiel: Matza ist das flache Brot der Armut und Sehnsucht in der Zeit. Die drei Brote stehen für Priester, Levite und Israel. Das Verstecken und Suchen des abgebrochenen Stücks (Afikoman) durch das jüngste Kind erinnert daran, das Leben spielerisch zu nehmen und der Gegenwart Wünsche zuzugestehen.
- Ablauf und Vollendung: Der Wein wird vierfach eingeschenkt und repräsentiert die Ausgestaltung der Schöpfung. Nach dem Mahl wird die Tür für den Propheten Elia geöffnet – den Verkünder des Messias.
Das Mahl endet nicht im Tod, sondern mündet in der Hoffnung auf Auferstehung, Erneuerung und ewige Barmherzigkeit.