Tages-Zitat

 

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Friedrich Weinrebs


 

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Zitat:

Gott stellt sich nicht ein, wenn man die Natur, noch weniger, wenn man »fromm« Theologie studiert; er erscheint dann höchstens als eine blinde Naturkraft, unpersönlich, als kalte Macht. Tragisch erfährt man ihn dann. Der Widerspruch im Leben bleibt. Gott kommt nicht kausal berechenbar, sondern wie der Dieb in der Nacht, der sein Kommen auch nicht ankündigt. Er kommt nicht, weil man Bibelkursen folgt. Er kommt trotzdem. Liebe kommt nicht, »weil«. Liebe ist unberechenbar, fällt ohne kausale Ursache ein. Sie bricht aus unserem Chaos hervor. Wir sind verzweifelt, wir seufzen. Weil wir das Leben mit seiner Sinnlosigkeit trotz aller psychologischen Erklärungen nicht mehr aushalten. Es ist dann alles so klar, so schrecklich langweilig klar. 

Gott kommt zu »seiner« Zeit. Er kommt, wenn in dir das Gefühl einzieht, daß du persönlich jemand bist. Du magst Bauer, Schuster, Professor, Psychologe, Programmierer oder Geistlicher sein - aber das sind andere auch. Wer aber bist du persönlich?

aus:
Frömmigkeit heute

Friedrich Weinreb (1910 Lemberg – 1988 Zürich) war die große Ausnahmeerscheinung im Judentum des 20. Jahrhunderts. Mit seinem bahnbrechenden Buch "Schöpfung im Wort - Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung" öffnete er die Schatzkammer des alten jüdischen Wissens für die Welt