Beschreibung
2. Auflage
Ungekürzte Ausgabe. 956 Seiten.
Leinen im Schuber. Format 15,5 x 22,5 cm
ISBN-13: 9783884110287
ISBN-10: 3884110284
Dieses Buch hat mit seinem Erscheinen 1963 eine eigentliche Neuentdeckung der Bibel des Alten Testamentes eingeleitet. Zum ersten Mal erhält jeder am Wort der Bibel Interessierte umfassenden Einblick in das alte jüdische Wissen als Schlüssel zum Verständnis biblischer Erzählweise. Dabei wird zugleich so anschaulich und profund eine Kenntnis des Hebräischen, der Bibelsprache, vermittelt, daß man bald Geist und Fülle des Urtextes miterleben kann.
Die Erzählungen des Buches Genesis von der Geschichte der Erschaffung der Welt und des Menschen über Kain und Abel, Sintflut, Turmbau zu Babel, Abraham und Isaak, Jakob und Esau bis zur Josephsgeschichte werden ebenso ausführlich interpretiert wie der Auszug Israels aus Ägypten, der Durchzug durchs Meer und die zahlreichen Geschehnisse auf der Wanderung durch die Wüste bis zur Grenze des Gelobten Landes. Immer geht es dem Autor darum, die überwältigende Vielgestaltigkeit der Welt und allen Lebens im Wort der Bibel einzusehen. Auf die vielen Fragen, die das Verständnis der Bibel so erschweren, erhält der Leser vielleicht zum ersten Mal befriedigende und sehr überraschende Antworten: Wie ist das mit verschiedenen moralisch zweifelhaften Geschichten, zum Beispiel, daß die Erzmutter Sara die Hagar in die Wüste schickt, daß Jakob den Segen bekommt, obwohl er seinen Bruder Esau und sogar seinen Vater betrügt, daß Joseph von seinen Brüdern verkauft wird? Wozu wird in der Bibel so viel von Opfern, besonders Tieropfern, gehandelt? Wozu zum Beispiel auch die genealogischen Tabellen, die Hunderte von Namen, die uns nichts mehr sagen?
Ein umfangreicher Anhang enthält die Anmerkungen und Quellenangaben des Autors, eine Bibliografie der wichtigsten Quellen der Überlieferung, Editorische Notizen, biographische und bibliographische Angaben zu Friedrich Weinreb sowie einen ausführlichen Registerteil: Personen- und Sachregister, Register der hebräischen Wörter, Zahlen-Register, Register der Bibelstellen.
Eine erste stark gekürzte Ausgabe dieses Werkes erschien 1965 unter dem Titel "Der göttliche Bauplan der Welt". In seinem damaligen Vorwort bezeichnete sie der Autor "als Einführung in die hoffentlich bald zu erwartende vollumfängliche deutsche Ausgabe ... das Buch braucht nämlich ... tatsächlich jedes Wort der ursprünglichen Fassung, um in seiner ganzen Bedeutung einigermaßen richtig eingeschätzt zu werden."
Leseproben:
Zugleich bietet dieses Wissen klare menschliche Normen anstelle eines kalten Weltbilds mechanischer Unendlichkeit in Zeit und Raum, das den Menschen als lebendige Persönlichkeit bedrückt und die menschlichen Maßstäbe relativiert. Außerdem wird sich dieses Wissen als eine Fortsetzung des verlorenen alten Weges des religiösen Menschen erweisen, jenes Weges, von dem der Mensch trotz aller sein Denken beherrschenden Fortschrittsgläubigkeit noch intuitiv weiß und den er - wie er still und unausgesprochen hofft - irgendwann wiederfinden wird." (Seite 15)
"Die Bibel ist eine noch gewaltigere Schöpfung als die, welche wir in der Natur und im Weltall wahrnehmen. Und diese Schöpfung, die alle Zeiten und alle Welten enthält, ist dem Menschen gegeben, um ihm als Grundlage für seine Einsicht in den Sinn des Lebens zu dienen.
Es ist typisch, wie man dies alles im Lauf der Zeit mehr und mehr verkehrt gesehen hat.
Da ist z.B. der Ausdruck "Gottesfurcht", oder der von den "furchtbaren" großen Taten Gottes.
Wenn man nun z.B. das Wort "Furcht" vor Gott näher betrachtet, dann steht da im Hebräischen "jirah" im Sinne von "jirath schamajim", "Furcht vor dem Himmel", oder "jirath adonai", "Furcht des Herrn".
Nun hat das Wort für "Furcht" denselben Stamm wie das Wort für "Sehen", geschrieben Jod, Resch, Alef, also 10-200-1. Und das Wort, das mit "furchtbar" übersetzt wird, ?nora?, geschrieben Nun, Resch, Alef, also 50-200-1, kommt vom selben Stamm.
Was also gemeint ist und wozu der Mensch angespornt wird, ist nicht, daß er vor einer tyrannischen, rachsüchtigen Macht erbebt, sondern daß er Gott und den Himmel wahrnimmt und von der Größe, der ungeheuren Tiefe und den gewaltigen Zusammenhängen so beeindruckt wird, daß er zu einer tiefen Ehrfurcht und einer großen Freude kommt." (Seite 288-289)
"Wir sind, auch in unserem Leben, ein Ausdruck der Bibel, so wie die ganze Welt, die ganze Schöpfung ein Ausdruck der Bibel ist." (Seite 720)
"Während Natur und Weltall uns lediglich beeindrucken können, uns die Allmacht eines großen, über uns stehenden und dennoch auch das Kleinste regierenden Schöpfers vor Augen führen, erzählt uns die Bibel in der gleichen imponierenden, überwältigenden Weise die Geschichte des individuellen menschlichen Lebens, das ein Weltall für sich und ebenso wichtig ist wie die Schöpfung des Universums. Die Bibel erzählt die Geschichte des Menschen in diesem Leben und in dieser Welt sowie in anderen Leben und in anderen Welten; sie teilt den Sinn des Lebens mit und vor allem nennt sie auch die Maßstäbe, nach denen wir den Wert des Lebens und der Dinge richtig einschätzen können. Die Bibel ist für den Menschen da, sie ist dem Menschen gegeben und betrachtet den Menschen als den Mittelpunkt des Lebens und der Welt. Und mit der gleichen beeindruckenden Systematik, mit der die Bibel aufgebaut ist, teilt sie dem Menschen mit, warum er da ist und warum die Welt besteht, zeigt ihm seinen Weg und dessen Sinn, erzählt ihm genau das, was er stets sucht und von dem er glaubt, daß es "das Geheimnis" ist." (Seite 96-97)
"Den Schlüssel zum Verständnis kann man nur aus dem Ausdruck der Schöpfung im Wort gewinnen. Darin ist alles auf eine Weise anwesend, daß es ein Mensch im Laufe seines Lebens sehen und begreifen kann." (Seite 196)
"Nur eine Auslegung, die auf der Systematik der Bibel selbst fußt, ist folgerichtig und nur sie befriedigt gleichzeitig den Verstand und stärkt den Glauben. Eine solche Interpretation, die auf der Systematik der Bibel fußt, muß also die Maßstäbe für die Systematik aus der Bibel selbst holen. Ohne Kenntnis "dieser" Maßstäbe und "dieser" Systematik ist es demnach sinnlos, ja sogar gefährlich, die Bibel "erklären" zu wollen." (Seite 369-370)
"Tatsache ist, daß dieser großartige, von der Liebe zur Tradition bestimmte und zugleich wissenschaftlich fundierte Versuch nicht ohne Einfluß auf die moderne Bibelexegese bleiben dürfte, auch auf die der Christen. " -Die Welt
Wer als Christ das Gespräch mit dem Judentum sucht, sollte an Friedrich Weinreb nicht vorübergehen. Sein Buch "Schöpfung im Wort" bietet den Schlüssel zu seinem Gesamtwerk. Er gibt auf die Fragen nach der Inspiriertheit der Bibel eine recht ungewöhnliche Antwort. Neu gerät sie in den Blick: ganz Gottes Wort, ganz Menschenwort. Weinrebs Verständnis der Bibel unterscheidet sich grundsätzlich von den üblichen exegetischen Methoden. Er ist auf seine Weise wirklich alternativ. Eines seiner hermeneutischen Prinzipien besagt, daß Struktur und "Begriffe des Wesentlichen" in der hebräisch geschriebenen Bibel unübersetzbar sind. "Die Übersetzung ist also nur ein Medium, um zum ursprünglichen Text eine Verbindung herzustellen." Weinreb erläutert die Bibel in einer Weise, daß sich seine rhetorische Frage positiv beantworten läßt, nämlich "ob die Bibel nicht die Schöpfung selbst ist, nur in anderer Form, in anderer Beschaffenheit, nämlich in der des Wortes". ... In dem grundlegenden Werk Weinrebs geht es in vielfacher Weise um die Rückkehr zum Ursprung nach vorne in der Zeit.
- "Geist und Leben"



















