Erlebnisse und Erfahrungsberichte

Auf dieser Seite finden Sie Erfahrungsberichte von HörerInnen und LeserInnen Friedrich Weinrebs. Wenn auch Sie anderen etwas aus Ihrem Leben an dieser Stelle mitteilen möchten, wenden Sie sich einfach direkt an uns. Wir freuen uns über jeden Bericht! 


Nr. 1 - Eintrag 27.09.2014

Ich habe Friedrich Weinreb in einer für mich sehr bewegten Zeit kennen gelernt. Ich war damals noch römisch-katholisch, Ordensmitglied, aber in einer Phase der Unterscheidung/Entscheidung. In dieser Krisenzeit habe ich auch eine Auszeit von meinem Orden bekommen und als Priester im Erzbistum Bamberg (Erlangen und dann Herzogenaurach) gearbeitet.
Nach einem Gespräch mit meinem damaligen geistlichen Begleiter in Pullach, bin ich in München in die Dombuchhandlung gelaufen und habe dort »»durch Zufall«« die Bücher »Der mystische Weg« und »Gottmutter« gefunden. Da ich mich sowieso für das Judentum interessiere, habe ich nach einem kurzen Durchblättern sofort zugegriffen.
Ich muss sagen, dass Friedrich Weinreb in dieser Zeit bis jetzt (mehr als ein Jahr) zu meinem Mentor und »Retter« geworden ist.
Durch ihn wurde mir ein neuer Weg hin in die Heilige Schrift geebnet, besonders in das Alte Testament. Ich habe hier eine Tiefe entdeckt, nach welcher ich mich jahrelang gesehnt habe. Als Bild sehe ich mich wie Alice im Wunderland, welche immer tiefer in den Kaninchenbau fällt. Ohne Übertreibung sage ich, dass Friedrich Weinreb meinen Glauben »»gerettet«« hat. Durch den Weg im AT nach der jüdischen Überlieferung werde ich zu einer neuen Begegnung mit dem NT, mit Jesus Christus, geführt.
Bis jetzt habe ich viele Bücher von Friedrich Weinreb durchgelesen, gearbeitet, meditiert, verschlungen.
Ich habe seit Jahren Erfahrungen mit christlicher Meditation und Kontemplation (Herzensgebet). Wenn ich Friedrich Weinreb lese, habe ich das Gefühl, ich lese und meditiere gleichzeitig. Eine sehr gute Freundin, welche ich ebenfalls mit dem Werk Weinrebs bekannt gemacht habe und der sie ebenso sehr bereichert, meint dazu: »Es ist so einfach und so tief. Es fühlt sich so wahr an.«
Wenn ich im Gegenteil dazu mal ein theologisches Buch in die Hand nehme, bekomme ich oft eher Kopfschmerzen und werde müde.
Eine Bekannte von mir sagte, dass sie ebenso mal Friedrich Weinreb in einer Krisenzeit kennen gelernt und sich dann 2-3 Jahre nur mit ihm beschäftigt hat. Weinreb sei sehr mystisch und vielleicht speziell für Krisenzeiten geeignet.
Auf meinem persönlichen Weg habe ich nun den Orden verlassen und bin in die alt-katholische Kirche konvertiert. Seit August bin ich nun Vikar in unserer Berliner Gemeinde.
Noch in meiner Krisenzeit und jetzt auch bringe ich in meinen Predigten immer mal wieder Gedanken von Friedrich Weinreb. Und ich merke, dass diese die Leute ansprechen. Eine andere Erfahrung mache ich mit einigen Kollegen/innen (Theologen eben, und einigen Laien): sie können mit Friedrich Weinreb nichts anfangen (z.Bsp. mit der Bedeutung der Zahlen). Schwierig ist für mich, das oft historisch-kritisch geschulte Denken von Kollegen/innen. Sie versuchen die Hl. Schrift allein durch historische und andere Erkenntnisse (religionswissenschaftlich,...) zu verstehen und erklären. Da merke ich, dass ich da innerlich nicht mehr mitgehen kann. Aber ihnen wird Weinreb immer fremd bleiben. Sollen sie damit glücklich und selig werden. Die Bibel, das Ewige Wort, hat ja viele Dimensionen und Zugänge. Ich finde es halt schade, dass ihnen wohl der über die jüdische Überlieferung versperrt bleiben wird.
Ich stelle am Ende meines persönlichen Berichtes noch eine These auf: wenn ich meinen Fall und den anderer betrachte, sind es Menschen, welche Erfahrung mit dem Gebet und Meditation/Kontemplation haben. So denke und fühle ich, dass dies eine gute Voraussetzung ist, um sich Friedrich Weinreb zu öffnen und ihm zuhören zu können. Zudem merke ich, wie sich mein Zugang und die Art des Betens, Meditierens durch die Lektüre Friedrich Weinrebs ändern.
S. W. / Berlin


Nr. 2 - Eintrag 27.09.2014 Eine (vielleicht) moderne chassidische Geschichte:

Also, ich saß im Wartezimmer bei einem Arzt und da kam eine alte Dame und setzte sich mir gegenüber. Sie hat mich sofort an eine jüdische Frau erinnert, die ich in der Arbeit (als Krankenschwester) gepflegt habe, die aber schon voriges Jahr verstorben ist, aber an die ich noch oft denke. Aber diese Frau hatte einen sehr ernsten, finsteren Gesichtsausdruck im Vergleich zu der Verstorbenen, die immer sehr strahlte und sich über meine Anwesenheit sehr freute.
Das habe ich nur so ganz kurz wahrgenommen und bin dann wieder zu mir zurückgekehrt und habe im Stillen das »Schma Israel« gesprochen und mich dankbar über diese Gegebenheit, dass der Herr, Ha-Schem, Einer ist, gefreut, und habe nach einiger Zeit wieder meinen Blick nach außen, zu der zuvor finsteren Dame gerichtet.
Doch plötzlich hat sie geleuchtet und gestrahlt und mir bejahend zugenickt, was bei mir das Gleiche ausgelöst hat. Solche Erlebnisse geben mir immer neue Kraft und Mut und die Gewissheit, dass ich lebe.

Eva L. aus Niederösterreich


Nr. 3 - Eintrag 29.09.2014

Weinreb & seine Werke begleiten mich seit mehr als 30 Jahren. In Graz hatte ich 1984 kurz die Gelegenheit mit Weinreb nach einem Vortrag zu sprechen (ebenso einen Brief hat er beantwortet:). Auch für mich hat Weinreb, wie Dieter Miunske beschreibt, die wunderbare Tiefe im AT und NT eröffnet und die Gewissheit gegeben, dass alle heiligen Schriften der verschiedenen Kulturen (was auch Weinreb über die Veden sagt) von dieser Quelle berichten, aus welcher Weinreb es verstand zu erzählen.

W. Wassermann / Graz


Nr. 4 - Eintrag 29.09.2014

Mir geht es so, wie Sie es auch zitieren. Ich spreche nicht über meine Beschäftigung mit Weinreb und weiß, warum. In meiner Verwandtschaft gibt es eine Sprachwissenschaftlerin für Jiddisch, die die hebräische Sprache hervorragend beherrscht, und bei meinem einzigen Versuch etwas mitzuteilen, den Kopf schüttelte. Selbst lerne ich modernes Iwrith. Meine Lehrerin ist gläubig, aber ich schätze, daß sie von diesem Zugang zum Heiligen Text nicht begeistert wäre.
Besonders wertvoll war daher für mich der Vortrag von Gabriel Strenger, den ich bereits mehrmals hörte. Katholisch aufgewachsen zwar, gehöre ich keiner Glaubensgemeinschaft an. Friedrich Weinrebs Werke (viele) kenne ich seit Langem und greife immer wieder zu ihnen. Die Vertiefung in sein Werk hat für mich durchaus Meditationscharakter.

Bettina / Deutschland


Die Leserin spricht ein Kernthema unserer Gesellschaft an, die von klein auf dahingehend konditioniert wird, dass nur das Eindeutige gültig sei. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der wissenschaftliche Umgang mit dem Alt-Hebräischen ausschließlich auf dem vokalisierten Text der Masoreten basiert. Ohne Zweifel haben diese Schriftgelehrten für Außenstehende erst den Zugang zu den alten Schriften ermöglicht. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass dieser Ansatz die hebräische Sprache in ihrer Freiheit und Vielschichtigkeit zerstört. Man darf also keinesfalls bei dem punktierten Text stehenbleiben. Unweigerlich muss ich dabei an das Exil Ägyptens denken, wo Israel dem Diesseitigen dienen muss.
Dann haben wir es, auch wenn man es »Heilige Schrift« nennt, mit einem profanen (entweihten) Text zu tun.. In Wikipedia heißt es: »Die Masoreten standen also vor der Aufgabe, die (...) Mehrdeutigkeiten zu beseitigen, ...« Was ist daran noch heilig? Auszug aus Ägypten bedeutet in diesem Sinne auch Auszug aus der Zwangsjacke der festgesetzten Vokalisation.
(D. Miunske)


Friedrich Weinreb äußerte sich oft zu diesem Thema, u.a. in dem Buch »Buchstaben des Lebens«:

Die Zeichen der Konsonanten – es gibt im Hebräischen 22 – bilden die Seite des Gesetzes. Damit ist die Ewigkeit des Wortes gewahrt. Durch die Freiheit, die Variierbarkeit der Vokale und Lese-Zeichen (Ton- und Satzzeichen), fließt die Liebe in das Wort hinein. So nur kann die Geschichte der Buchstaben des Lebens in ihrer freien Vielschichtigkeit erzählt werden. Nur auf diese Art und Weise werden sie zu Buchstaben des Lebens. »Leben« und »Sein« sind im Hebräischen sprachlich nahe verwandte Worte. Wissenschaftliche Eindeutigkeit könnte nur eine Seite des Lebens erfassen. Das Leben heiligen bedeutet, auf dem Grund der Gesetze – ausgehend von Namen und Form der Buchstaben – Geschichten von Einsicht, von Freundschaft und Liebe zu erzählen. Das hat der Mensch schon von jeher verstanden. Mythen, Sagen, Legenden, Märchen bilden den unübersehbaren, unerschöpflichen Strom, der dem Menschen aus verborgenen Urzeiten zufließt. Im Judentum hat der Chassidismus es nicht lassen können, weil das nun einmal die einzige wahrhaftige Lebensäußerung ist, weitere und weitere Geschichten zu erzählen. Die Buchstaben wurden vergeistigt und beseelt – und so leben sie ewig. Wenn des Menschen Körper wie der Mond in seinen wechselnden Phasen kommt und geht und wiederkommt, so bleiben Geist und Seele ewig und beleben den toten Körper immer wieder. Hier und dort und dort und dort. Das sind diese Geschichten. Liebevoll lächelnd schauen sie auf die wissenschaftliche Wahrheit hinab und bringen schließlich auch diese zu einem resignierenden Lächeln.
 


Nr. 5 - Eintrag 21.12.2014

1999 wurde mir diese Literatur empfohlen, nachdem ich zuerst in der christl. Bibelschule nach Antworten gesucht habe.
Seit etwa 10 Jahren beschäftige ich mich nur noch mit der Literatur von Weinreb und natürlich der Überlieferung, wie Talmud, Midrasch, Pirke Awot , Schulchan Aruch, Raschi Kommentar usw.
Heute erlaube ich mir folgende Worte über F.Weinreb:
Er war einer der großen Weisen der Gegenwart, ein Zaddik unserer Zeit, der uns einen Schlüssel für eine Welt in die Hand gegeben hat, die sich unser Verstand nicht einmal in seinen kühnsten Gedanken vorstellen kann.

Jeder muss aber für sich ganz allein den Schlüssel von Weinreb nehmen und diese Tür selbst öffnen.
Es ist ein Risiko, doch wie Weinreb beschreibt, ist es eine Befriedigung für Verstand und Herz.

Trotzdem muss man als Mensch damit sehr sehr verantwortungsvoll umgehen.
Leider hab ich mehrere Leute kennen gelernt, die zwar am Anfang sehr begeistert waren, doch dann nicht mehr weiter kamen oder es sein gelassen haben.
Dabei gibt doch Weinreb in seinen Büchern auch viele Tipps für das praktische Tun, was einfach damit einhergehen muss.

H-J aus Berlin